D & O –Versicherung – Rettung der Unternehmen und Geschäftsführung? Der Abschluss einer D & O- Versicherungen gehört immer mehr zum Unternehmensalltag. Potentielle Geschäftsführer gehen die mit der Übernahme der Geschäftsführertätigkeit verbundenen Risiken eher ein, wenn eine solche Versicherung vom Unternehmen abgeschlossen wird.

Diese Versicherung kommt sowohl der Gesellschaft und den versicherten Personen zugute. Im Außenverhältnis bezweckt die D & O-Versicherung lediglich den Schutz der versicherten Personen. Lediglich reflexartig werden die Geschädigten geschützt, weil die Versicherungsdeckung – jedenfalls im Deckungsumfang – sicherstellt, dass die Realisierung des Schadensersatzanspruches nicht an der Insolvenz des Haftpflichtigen scheitert. Sofern allerdings im Einzelfall die Gesellschaft einer versicherten Person von der Außenhaftung schuldet, tritt an die Stelle des Schutz-zweckes zugunsten der versicherten Person der Schutz der Gesellschaft. Im Bereich der Innenhaftung kommt die D & O-Versicherung den versicherten Personen zugute, indem sie diese von der Erfüllung ihrer Schadensersatzlast entlastet. In gleicher Weise bezweckt die Versicherung aber auch den Schutz der Gesellschaft als Versicherungsnehmerin, weil die Versicherungsdeckung ihr das Risiko einer Insolvenz der versicherten Personen abnimmt.

Vielleicht stellen Sie sich als Unternehmer die Frage, ob Ihre Gesellschaft verpflichtet ist, zum Schutz des Gesellschaftsvermögens eine solche Versicherung abschließen. Grundsätzlich ist dies zu verneinen, da die D & O-Versicherung als Maßnahme der Risikovorsorge in den Bereich des unternehmerischen Ermessens fällt. In der Praxis ist danach zu fragen, welche besonderen Risikofaktoren vorliegen müssen, um ausnahmsweise eine Pflicht zum Abschluss der Versicherung zu begründen. Da es für den Umfang einer Risikovorsorge auf eine Gesamtabwägung von Risikointensität einerseits und Eignung sowie Kosten der Risikovorsorgemöglichkeit andererseits ankommt, ist die Schadenswahrscheinlichkeit von maßgeblicher Bedeutung für die Versicherungspflicht.

Mehr als 30 % der D & O-Schadensfälle betreffen Banken und Finanzdienstleister, ca. 20 % aus der New Economy (IT, Software, neue Medien), während die restlichen Fälle sich auf die anderen Branchen verteilen. Diese Werte werden in Zeiten der Finanzkrise nach oben korrigiert werden müssen.

Solange ein Unternehmen nicht zu der erstgenannten Branche gehört, ist eine Versicherungspflicht nicht gegeben. Allerdings kann der Abschluss einer solchen Versicherung im Unternehmensinteresse liegen. Für den Versicherungsschutz spricht die durch Basel II ausgelöste strengere Anpassung der Kreditvergabepraxis der Banken an das individuelle Ausfallrisiko des Kreditnehmers. Da die D & O-Versicherung das Kreditrisiko mindert, indem sie die Zahlungsfähigkeit des kreditnehmenden Unternehmers im Falle eines schweren Missmanagements – zumindest im Rahmen der Deckungssumme – erhält, und das Bestehen oder Nichtbestehen einer solchen Versicherung vom Kreditsachbearbeiter leicht festgestellt werden kann, wird der Versicherungsschutz unmittelbar das Rating des betreffenden Unternehmens beeinflussen.